die ehemals jüdische Familie MARCUS


Die ehemals jüdische Familie "MARCUS" 

Am 12. September 1811 heirateten in Ladbergen der Handelsmann Samuel Marcus aus Reelkirchen im Lippischen die Röschen Jacob aus Sendenhorst.

Bereits im Februar 1813 starb eine gemeinsame Tochter, vier Tage nach ihrer Geburt.

Auch Röschen soll um diese Zeit herum verstorben sein.

(Quelle: "Geschichte der Juden in Lengerich", eine Dokumentation der Stadt Lengerich)

In Ladbergen fand ich aber leider keinen Hinweis zu Röschens Tod.

Bereits am 19. April 1814 heiratete der Jude Samuel Marcus erneut. Seine zweite Ehefrau wurde Lisette Herz (Hirsch) aus Burgsteinfurt.

Bei ihrer Trauung (1814) wurde die Braut noch als "Lisette Herz" bezeichnet.

Neben ihren Eltern, dem Handelsmann Herz Benjamin und dessen Frau Nette Erin (an anderer Stelle: "Nelle Levy") aus Burgsteinfurt, unterschrieben als Trauzeugen auch Johanna Salomon, Rudolph Middendorf,  Adolf Heinking, Wilm Möller und Adolph Kipp.

Ich vermute eine verwandtschaftliche Verbindung, zur Familie "Herz-Kesseler" aus Burgsteinfurt, kann diese aber in keinster Weise beweisen! Ich würde mich freuen, wenn mir hier jemand helfen könnte! Der Kaufmann August Herz (1875-1946) stammt ursprünglich aus Bochum, seine Frau, Lotte geb. Kappesser (*1895) wurde in Münster geboren. Willi Feld erarbeitete die Geschichte der Steinfurter Juden und die der Familie "Herz-Kesseler", die während der NS-Zeit Schlimmes erlebten...


1844 starb Samuel Marcus (Qelle: "Geschichte der Juden in Lengerich")


Am 25. Juli 1846 wurde im Amtsblatt des Regierungsbezirks Münster eine Liste der von den Juden zu führenden Familiennamen veröffentlicht. 1846/47 mussten alle Juden im Rahmen der Juden-Emanzipationsgesetzgebung feste Familiennamen annehmen. Sie durften diese frei wählen und waren nicht an alte Namen gebunden.

Lisette Marcus wählte für sich und ihre Familie/Nachkommen den bereits geführten Familiennamen "Marcus".


Eine weitere Nennung der Familie findet am 22. Oktober 1846 statt:

Am Stadt- und Landgericht in Tecklenburg beantragte die Witwe Lisette Marcus eine Abschrift des Testaments ihres verstorbenen Mannes, weil das abgebrannte Haus in Ladbergen wieder aufgebaut werden sollte. Gem. der Informationen der Lengericher Dokumentation müsste Samuel Marcus in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1844 verstorben sein. Seine Frau folgte ihm 1848 in die Ewigkeit.


Im Februar 1848 erstellt der Ladberger Amtmann Springmeier ein "Verzeichniß sämtlicher Mitglieder der Synagogengemeinde Lengerich aus dem Amte Ladbergen".

Er nennt zu Haushalt gehörig:

  1. Witwe Lisette Marcus
  2. Hermann Marcus, 24 Jahre alt
  3. Joseph Marcus, 21 Jahre alt
  4. Jacob Marcus, 19 Jahre alt
  5. Abraham Marcus, 15 Jahre alt
  6. Fried. Wilh. Levi Marcus, 13 Jahre alt

Wiederum der Lengericher Judendokumentation ist zu entnehmen, dass die Kinder Jette, Marcus, Moses und Johanna in Springmeiers Liste nicht genannt wurden. Entweder waren sie nicht mehr zum Haushalt gehörig oder sie waren bereits verstorben?

Die Familienzusammenstellung-unten sind das Ergebnis der bisherigen Forschungen:


Ebenfalls im Februar 1848 verstarb auch Lisette Marcus geb. Herz, später Hirsch (*1793/Burgsteinfurt). Sie wurde auf dem Lengericher Judenfriedof bestattet. Noch heute kann man ihr Grabstelle gleich rechts neben dem Eingang finden. Nach ihrem Tod entschlossen sich, und das war für die Synagogengemeine Lengerich und auch für die umliegenden jüdischen Gemeinden etwas ganz besonderes, vier Söhne des Ehepaares Marcus - Hirsch (geb. Herz) zu konvertieren und sich christlich taufen zu lassen.

Die bereits verstorbene Mutter wurde bei den zwei Taufen von 1849 als Lisette Herz und bei den Taufen von 1855 und 1857 als Lisette Herz (Hirsch) registriert.