KEMPER


KEMPER (im Aufbau)

  • Niederdeutscher Berufsname aus dem mittelniederdeutschen für Kämpfer.
  • Ein Kempe ist aber auch ein niederdeutscher Amtmann, von "kempen" -im mittelniederdeutschen "eichen" oder mit einem Brandzeichen versehen (zur Beglaubigung der richtigen Maße und Gewichte).
  • Als „Kamp" wird aber auch ein eingezäuntes Feld, Ackerland, Weide, Wiese oder Gehölz bezeichnet.

In grauer Vorzeit hat also jemand sein Auskommen auf dem Kamp, nördlich des heutigen Ortszentrums von Ladbergen gesucht und dort seine Hofstelle errichtet. Der Kemper-Hof war dem Domkapitel zu Münster eigenbehördig, was in Ladbergen wohl etwas besonderes war, da die Reformation im Tecklenburger Land früh Einzug hielt.

1575 wurde "Kamp Johan" und 1580 "Camp Johan" in den Ladberger Viehschatzungen genannt. "Kamp-Johan" entwickelte sich zu Kemper, Kaemper oder Kemper. Bis 1755 ist in Ladbergen nur von einer Hofstelle dieses Namens die Rede! Auch wenn sich einige heutige Namensträger als von Brochterbeck oder von Lengerich stammend bezeichnen, können ihre frühen Vorfahren doch auch vom Ladberger Urhof, des "Kamp-Johan" abstammen?

Dieser Urhof lag an der Stelle, an der sich heute die Autobahnzufahrt in Richtung Norden befindet. In den sechziger Jahren mussten die Hofgebäude wegen des Autobahnbaus zum Hiärkenweg umgesiedelt werden. Dort wurden neue Stallungen und Wohngebäude errichtet. Im Bereich der ehemaligen Hofstelle konnte ich leider keine baulichen Reste mehr dokumentieren. Das alte Wohnhaus konnte Jahre später in der Lönsheide wieder aufgebaut werden. Es dient nun als "Sängerhalle" (Foto) bezeichnet verschiedenen Zwecken.

 

Der Urhof einer Familie "Kemper" in Ladbergen

Die Zufahrten zur ehemaligen Hofstelle

Neben Schröerlücke bzw. gegenüber von Rickermann, heute: Averhaus (Foto-links) findet sich noch ein ca. 200 m langes Teilstück der Betonstraße, die von alters her in einem Bogen zwischen den Höfen Retwilm und Kemper (siehe: Messtischblatt von 1897) verlief.

Auf der anderen Seite der Autobahn (Foto-rechts) ist ebenfalls ein Rest dieses alten Weges zu finden. (Waldseestraße, gegenüber der Hofzufahrt-Haarlammert)


Frühe Kemper-Stätten (hier nur kurz angerissen, nehme ich aber gerne weitere Informationen entgegen!)

Weil immer nur ein Kind den Hof der Eltern als sogenannter "Anerbe" übernehmen konnte, mussten die übrigen Geschwister als "weichende Erben" den Hof verlassen und an anderen Orten ihr Glück suchen. Manche verdienten sich als Heuerleute oder erlernten ein Gewerbe, andere gelangten durch "Einheirat" zu Hof und Grund oder sie begründeten in wirtschaftlich günstigen Zeiten, zum Beispiel im Rahmen der Markenteilungen in Ladbergen und Umgegend, weitere Kemperstätten. Hier werden nur einige genannt:

  • Der Urhof-Kemper, ehemals am nördlichen Ortsrand gelegen, heute Hiärkenweg. Der Name "Kemper" ist nicht mehr auf der Hofstelle!
  • "Kracken-Kemper" in Ladbergen-Wester. Bei der Markenteilung aus einer Heuerstelle entstandener Hof. Viele Nachkommen oder "weichende Erben" dieser Hofstelle finden sich in und um Ladbergen, so z.B. an der Grevener Straße-kurz vor dem Kanal, in der Hüttruper Heide von Greven, an der Lengericher Straße-in Höhe Aldruper Damm, an diesem usw.... (überlieferte Namensdeutung: die Fahrzeuge früherer Generationen im Hofgebiet oder die der Bewohner "krackten" geräuschvoll...?).
  • Gerhard Kemper bewarb sich 1791 um eine Neubauernstelle. Diese wurde ihm verweigert, weil er in guter und ungekündigter Heuer beim Bauern Weitkamp (Lübke) in Ladbergen-Wester lebte. Die Lage des ehemaligen, aber lange abgerissenen Heuerhauses konnte ermittelt werden.
  • Wilm Kemper; er oder sein Vater/Großvater wurde wohl auf dem Urhof geboren. Wilm war um 1755 Hollandgänger und Heuermann bei Verlemann in Ladbergen-Overbeck.

Ausgehend davon, dass es in Ladbergen bis 1755 nur eine Kemper-Stätte gab, ist es wahrscheinlich dass die frühesten in den Ladberger Kirchenbüchern ermittelten Namensträger, Christian, Jacob und Wilm Kemper Brüder waren? Ihr möglicher, gemeinsamer Vater, der Stammvater-Kemper (Kamp Johan?, Johan Kemper?), wäre dann vielleicht um/vor 1690 geboren? Das ist aber in Ermangelung von Quellen bisher reine Spekulation!

Ausgehend von den in Ladberger Kirchenbüchern ermittelten Geburtsjahren habe ich folgende Kinder einer "Urfamilie-Kemper" zugeordnet. Weitere Erkenntnisse könnten hier genauere Ergebnisse und andere familiäre Verbindungen eröffnen.

  • Elisabeth, geboren 1707
  • Christian Henrich, geboren 1710
  • Anna Catharina, geboren 1712
  • Catharina Elsabein, geboren 1714
  • Anna Elisabeth, geboren 1717
  • Wilm, geboren ca. 1720?
  • Jacob, geboren um 1720?
  • Christ. Liesabeth, geboren 1733

"Christian Henrich Kemper", (Heuermann?) und weichender Erbe von Overbeck Nr. 19 war vielleicht der Begründer des Kracken-Hofs in Ladbergen-Wester. Er wurde am 20.01.1710 geboren.

Am 01.09.1737 heiratete Christian Kemper (diesmal ohne "Henrich") die Liesabeth Kuck.

Ab 1738 wurde "Christian Kemper" diverse Male als Kindsvater (leider jeweils ohne Nennung der Kindsmutter) ins Ladberger Geburtsregister eingetragen. Alle Kinder wurden später als Heuerleute genannt und/oder heirateten auf andere Höfe ein.


Jacob Kemper" bewirtschaftete den Hof-Kemper, Overbeck 19.

Er war also der "Anerbe" seiner Eltern und noch in einem Katasterauszug vom 16.04.1768 wird er als Besitzer der Kemper-Stätte, Overbeck Nr. 19 genannt.

Zu Jacobs Haushaltung gehörten gem. Mühlenregister von 1755 ein Mann (bis 60 Jahre), eine Frau (bis 60 Jahre), ein Sohn über 12 Jahren, ein Sohn unter 12 Jahren und zwei Töchter unter 12 Jahren.

Jacob wird also mindestens 1743 oder früher geheiratet haben und könnte um 1710 geboren sein?

"Wilm Kemper", Heuermann und Hollandgänger bei Verlemann. Er war nicht der Anerbe seiner Eltern, sondern musste wohl deren Hofstelle als „weichender Erbe" verlassen!

1755 wurden im Mühlenregister zu seinem Haushalt ein Mann (bis 60 Jahre), eine Frau (bis 60 Jahre), 1 Sohn unter und 2 Töchter unter 12 Jahren registriert. Alle Kinder wurden also nach 1743 geboren und Wilms Hochzeit wird um das Jahr 1743 zu suchen sein.

Die Geburt seines Sohnes Gerd Wilm, vom 15.04.1752, ist die bisher einzig sicher Meldung!


Die Ehe zweier KAEMPER aus Ladbergen-Wester

Im Jahre 1813 heirateten in Ladbergen (Heiratseintrag Nr. 9/1813) der Ackerknecht Johann Heinrich Kaemper, 31 Jahre alt, und die Jungfrau Anna Catharina Elsabein Kaemper, 33 Jahre alt. Die Schreibweise mit >ae< war wohl der damaligen französischen Regierung geschuldet.

Die Brautleute "Kaemper" waren Cousinen, ihre Väter waren Brüder und weichende Erbern des Urhofs in Overbeck

  • Die Eltern des Bräutigams war der Heuer- und Ackersmann Johann Heinrich Kaemper (* 25.11.1744) und dessen Ehefrau (Ehe: 19.04.1780), Anna Elisabeth geb. Hilgediek (errechnetes Geburtsjahr: 1746-48).
  • Die Brauteltern waren der Heuermann und Ackerer Gerhard Heinrich Kaemper (* 05.04.1748) und dessen Ehefrau (Ehe: 12.02.1775) Cristina, verwitwete Kuck geb. Stork (errechnetes Geburtsjahr 1756).

Die Brautleute stammen beide aus Ladbergen-Wester

Während der Bräutigam vom heutigen Hof "Kracken-Kemper" (damals noch eine Heuerstelle) stammt, kam die Braut von der nicht weit entfernten Heuerstelle in "Weitkamps Backs", heute Lübke.

Die Trauzeugen, alle aus Ladbergen, waren: Johann Heinrich Weitkamp (43-jähriger Colon), Hermann Willhelm Köllemeier (31-jähriger Colon), Johann Heinrich Haarlamert (29-jähriger Colon), Christian Kaemper (50-jähriger Colon; err. Geburtsjahr: 1763). Die zwei Trauzeugen (Kaemper und Haarlamert) aus Overbeck sprechen für eine noch enge familiäre Bindung zum Urhof. Der als Trauzeuge genannte Christian Kaemper war wohl identisch mit Hermann Christian K.?